Veröffentlicht am 18.07.2026
Das Cushing-Syndrom, medizinisch Hyperadrenokortizismus genannt, ist eine hormonelle Erkrankung, bei der der Körper dauerhaft zu viel Cortisol bildet oder erhält. Betroffen sind überwiegend mittelalte und ältere Hunde. Die Beschwerden entwickeln sich häufig schleichend und können zunächst wie normale Altersveränderungen wirken. Eine tierärztliche Abklärung ist deshalb wichtig, sobald mehrere typische Veränderungen gleichzeitig auftreten.
Was beim Cushing-Syndrom im Körper geschieht
Cortisol wird in den Nebennieren gebildet und unterstützt unter anderem den Stoffwechsel, die Stressreaktion und die Regulation des Immunsystems. Beim Cushing-Syndrom bleibt der Cortisolspiegel über längere Zeit erhöht. Meist liegt ein gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse zugrunde, der die Nebennieren übermäßig stimuliert. Seltener produziert ein Tumor der Nebenniere selbst zu viel Cortisol. Eine weitere Form kann durch eine langfristige oder hoch dosierte Behandlung mit kortisonhaltigen Arzneimitteln entstehen.
Typische Anzeichen
Nicht jeder Hund zeigt alle Symptome. Auffällig ist häufig eine Kombination mehrerer Veränderungen:
- verstärkter Durst und deutlich häufigeres Wasserlassen
- gesteigerter Appetit bei gleichzeitigem Muskelabbau
- vermehrtes Hecheln und geringere Belastbarkeit
- hängender, rundlicher Bauch durch schwächere Muskulatur
- dünne Haut, symmetrischer Fellverlust oder wiederkehrende Hautinfektionen
Auch bei einem Kai können solche Beschwerden unabhängig von Körpergröße oder Haltungsform auftreten. Da ähnliche Symptome unter anderem bei Diabetes mellitus, Lebererkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten vorkommen, reicht die Beobachtung allein nicht für eine Diagnose aus.
Diagnose in der Tierarztpraxis
Die Untersuchung beginnt mit einer ausführlichen Krankengeschichte, einer körperlichen Untersuchung sowie Blut- und Urinanalysen. Je nach Befund folgen spezielle Hormontests, beispielsweise ein ACTH-Stimulationstest oder ein niedrig dosierter Dexamethason-Hemmtest. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums kann Veränderungen der Nebennieren sichtbar machen. Einzelne Testergebnisse müssen immer zusammen mit Symptomen, Vorbehandlungen und weiteren Laborwerten beurteilt werden.
Behandlung und Verlaufskontrolle
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei der häufigen, von der Hirnanhangsdrüse ausgehenden Form wird meist ein Medikament eingesetzt, das die Cortisolbildung in den Nebennieren hemmt. Nebennierentumoren können abhängig von Lage, Größe und Allgemeinzustand operativ behandelt werden. Ein durch Kortisonpräparate ausgelöstes Cushing-Syndrom erfordert eine tierärztlich kontrollierte Dosisanpassung; ein abruptes Absetzen kann gefährlich sein.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unverzichtbar, weil eine zu starke Hemmung der Cortisolproduktion ebenfalls ernste Beschwerden verursachen kann. Trinkmenge, Appetit, Aktivität, Hautzustand und Medikamentengabe sollten im Alltag möglichst genau dokumentiert werden. Bei Erbrechen, Durchfall, starker Schwäche, Kollaps oder Futterverweigerung ist eine sofortige tierärztliche Untersuchung erforderlich.
Wichtig: Früh erkannte und konsequent überwachte Fälle lassen sich häufig über längere Zeit gut kontrollieren. Die Behandlung dient vor allem dazu, Beschwerden zu verringern, Folgeerkrankungen zu vermeiden und die Lebensqualität zu stabilisieren.